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Die Vergessenen aus Kampala


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Wie kann man sich fühlen, wenn man vor vier Tagen noch in einem Slum war und davon noch nichts verarbeiten konnte?

 

Ein Termin jagt den anderen, keine Zeit zum Durchatmen. Vielleicht ganz gut, um nicht komplett einen Kulturschock zu erleiden. Vielleicht ganz schlecht, weil das Gesehene an Greifbarkeit verliert. Ich kann keine Erklärung finden, warum unsere Welten in Uganda und in Deutschland so verdammt unterschiedlich sind. Wie soll ich ein Problem von hier mit einem Problem von dort vergleichen? Es geht einfach nicht.

 

Trotzdem leben wir alle auf einem Planeten, der so vielschichtig ist, dass man sich drin verlieren könnte. Ich kann euch nur erzählen, was ich dort erlebt habe und was mir alles passiert ist:

Am Samstagmorgen fuhren wir mit dem Matatu in die größte Stadt Ugandas: Kampala. Dort wurde die Woche zuvor einer der größten Slums zum Teil niedergebrannt. Uns wurde erzählt, dass der Grundstückbesitzer sein Eigentumsrecht gelten machen wollte; dabei ist es offenbar ein legitimes Mittel, die illegalen Wellblechhütten abzubrennen. Danach wurden die nun obdachlosen Kinder einfach eingesammelt und in ein Jugendgefängnis gesteckt. Soviel zur Vorgeschichte.

 

Wir kamen an und wurden von einem Streetworker empfangen, der uns gleich zu einer größeren Hütte führte. Dieser Holzverschlag wurde von einer Deutschen gebaut, um den männlichen Straßenkindern einen Unterschlupf zu gewähren. Viele von diesen waren nicht bei Sinnen. Durch eine Plastikflasche mit einem in Benzin getränkten Stofffetzen holen sich die Kinder durch Inhalation ihren Kick. Wir waren ein kleines Team, wovon sich zwei (eine angehende Ärztin aus Uganda und Anne) um die Wundversorgung kümmerten, der Rest versuchte, den Moment zu verstehen, sich zu unterhalten und Schuhe zu verschenken. Dabei unterhielten die Streetworker die Kinder mit Musik und einigen Gebeten.

Ich weiß nicht, ob es in dem Moment gut war, Fotos zu machen…Ich tat es und möchte sie euch trotz des gesamten Leids zeigen.

 

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Ich spiele jetzt mal des Teufels Advokaten. Keine noch so eindrückliche und betroffene Reportage oder geleistete Entwicklungshilfe werden die grundlegenden Probleme des Afrikanischen Kontinents nur Ansatzweise lösen, solange das grundlegende Problem der tief verwurzelten Korruption nicht aus der Welt geschafft wurde. Manchmal frage ich mich ob sich unsere NGO's und Regierungen aus historischer Verantwortung nicht zu Kollaborateuren dieser Regime machen indem wir die Ärmsten der Ärmsten durchfüttern, damit ebendiese Elite weiter ungestraft die Ressourcen eines Landes ausbeuten kann. Ich glaube nicht daran, das der strukturelle Wandel der nötig wäre diese Misstände zu beheben von aussen angestossen werden kann.

 

Zu den Bildern. Ohne deine Beschreibung hätte ich nicht bemerkt das diese Kinder sich mit Klebstoff zudröhnen. Mir fehlt die Intimität die eine solche Reportage ausmacht bzw. habe ich das Gefühl das du wie ein Fremdkörper im Raum gestanden hast und eher mit Misstrauen als Offenheit konfrontiert wurdest. Mir fehlt die soziokulturelle Einbettung Aussenansichten der Slums, Reste der niedergebrannten Hütten, Bulldozer, Baustellen die am Rande der Slums aufragen, Beschäftigung mit der Drogenkultur, Armut, Bettelei, etc.

 

Die Post find ich gut, dürfte meiner Meinung nach etwas wärmer sein.

 

Gruss

 

Jan

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Zu den Bildern. Ohne deine Beschreibung hätte ich nicht bemerkt das diese Kinder sich mit Klebstoff zudröhnen. Mir fehlt die Intimität die eine solche Reportage ausmacht bzw. habe ich das Gefühl das du wie ein Fremdkörper im Raum gestanden hast und eher mit Misstrauen als Offenheit konfrontiert wurdest. Mir fehlt die soziokulturelle Einbettung Aussenansichten der Slums, Reste der niedergebrannten Hütten, Bulldozer, Baustellen die am Rande der Slums aufragen, Beschäftigung mit der Drogenkultur, Armut, Bettelei, etc.

 

Die Post find ich gut, dürfte meiner Meinung nach etwas wärmer sein.

 

Gruss

 

Jan

Ich hab mich auf das Haus konzentriert und klar bin ich ein Fremdkörper. Die Überwindung diese Fotos überhaupt zu machen war für mich enorm.

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Hab den Text bewusst erst im Anschluss gelesen. 

Mir geht es um Bilder und nicht irgendwelche emotionalen Empfindungen die man hinterher wecken möchte. Ich hätte ad hoc nicht erkannt das:

- Klebstoff/whatever konsum

- Slum abgebrannt

- Gefängnis ?

- Beziehung unter den Personen

 

Ergo sehe ich da vor allem eins - wie leider oft - viel viel viel viel zu viele Bilder die die Serie völlig verwaschen anstatt zu verdichten. Bin jetzt mal der absolut profilierte Unmensch, aber du stützt durch den Text das was du alles in den Bildern ein gutes Stück weit versiebt hast zu zeigen. Mir ist die Überwindung die das vll kostet auch völlig Jacke wie Hose. Es geht um das Bild. Kann sowas nicht hören, egal wo/wie/ob/warum man etwas fotografiert das sollte nie eine Rechtfertigung sein oder gar versuchen dadurch etwas auf eine höhere Stufe zu stellen.

Nochmal - für mich geht es rein um die Bilder - und die hätten einfach besser sein können - vermutlich sogar müssen um das zu zeigen was du da schreibst.

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Ich kann mir vorstellen wie schwierig es ist in so einer Situation überhaupt ein Foto aufzunehmen. Von daher schonmal riesen Respekt!! Allerdings empfinde ich die Bilder auch eher "draufgehalten" und nicht so sehr gestaltet bis auf einige wenige (1, 16). Man sieht dir leider zu sehr den Respekt/Angst an.

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Ich hab mich auf das Haus konzentriert und klar bin ich ein Fremdkörper. Die Überwindung diese Fotos überhaupt zu machen war für mich enorm.

 

Sicher, die Herangehensweise an solche Themen sollte respektvoll sein und ich verstehe auch das man seine Eindrücke teilen will um sie zu verarbeiten. Die von dir aufgenommenen Eindrücke und deine eigenen Emotionen werden jedoch nur unzureichend durch die Bilder transportiert. Das Thema hätte wohl einfach viel mehr Potenzial wenn du die Jugendlichen und Kinder über längere Zeit hättest begleiten können.

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ich bin leider auch der meinung das die distanz noch ein bisschen zu weit weg ist, allerdings sind es keine schlechten fotos, ich frag mich auch ob die distanz jetzt wirklich so schlecht ist?

was allerdings ist, du hättest hier definitiv viel radikaler aussortieren können.

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7 (nur wegen dem jungen im weissen shirt. macht sehr viel aus)

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(17) da kämpfe ich nochn bisschen, denke ein engerer ausschnitt würde viel ausmachen.
26 auch enger

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was noch dazu kommt, obwohl die post schön ist, ist sie mir zu freundlich... du redest von harten eindrücken, aber für mich ist die post zu nett, die kinder kommen gerettet rüber.

finde einfach wie die jungs dich gerade auseinander genommen haben bisschen sehr hart..

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Hallo! 

 

eigentlich ist es gemein jetzt einen anderen Fotografen mit ins Spiel zu bringen, aber einer guter Freund von mir ist recht oft in Afrika unterwegs. 

Er bewegt sich in ähnlichen Gebieten und Situationen. Warum ich jetzt hier drei Strecken als Vergleich von Ihm zeigen möchte hat folgenden Grund.

 

Ich finde, dass seine Reportage einfach mehr zeigt und es meist keinen zusätzlichen Text dazu braucht. Alles was von den anderen Forenmitgliedern in deinen Bilder vermisst wurde aber im Text stand bringt er mit in die Bilder. Die Geschichte muss einfach runder werden. Wir wollen einfach auch wissen wie diese Hütte von außen aussieht und wie die Umgebung ist in der die Hütte steht. Man braucht nicht 30 Fotos von in der Hütte sondern 2 und vll 4 Portraits und der Rest muss alles erzählen was du oben im Text schreibst.. Vielleicht hilft dir das ja für deine nächste Arbeit etwas weiter.

 

Nun die drei Serien die ich als Positives Beispiel mit anbringen möchte:

 

http://www.davidvogtphotography.com/Kibogora-Hospital-Rwanda

 

http://www.davidvogtphotography.com/Leben-Ohne-Licht

 

http://www.davidvogtphotography.com/Kamerun

 

Beste Grüße!!  

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Ich glaube, ihr denkt alle zu konzeptionell, wenn ihr solche Arbeiten betrachtet. Martin geht da in einen Raum und fotografiert, was er sieht und nicht, was er vorher lange überlegt und geplant hat. Da bleibt am Ende immer ein: "Hätte die Klebstoffflasche nicht noch plakativer im Bild positioniert werden können?". Oh wait, es ist ja keine Werbung, sondern eine Reportage, die Wiedergabe des Gesehenen und vor allem auch ein Beweis, wie der Fotograf sich in der Situation bewegt hat. 

 

Ich find's gut, so. 

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Es geht hier ja nicht darum Gegenstände zu positionieren und irgendetwas zu arrangieren und inszenieren. 

Es geht darum einfach die Bilder fotografisch einzufangen die alle im Text erwähnt wurden und die Geschichte kompletter erscheinen lassen würden. 

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Ich glaube ich würde die Auswahl gern noch einmal reduziert sehen. 30 Bilder sind schon arg viel und verwaschen für mich das Wesentliche, das du im Text beschreibst.

Vielleicht wäre es sogar eine Idee ein paar Bildpaare zu erstellen, bzw die Reihenfolge ein wenig zu ändern. Beispielsweise habe ich jetzt Bild 4 und 6 im Zusammenhang gesehen, nachdem ich die Kommentare gelesen habe (Klebstoff) - in der Reihenfolge, die du uns gibst, wird das durch die Gitarre unterbrochen und damit bin ich schon wieder von der Flasche weg. Die Flaschen wiederholen sich ja auch - vielleicht könnte man da auswählen. 

Einige Bilder wiederholen sich dazu dann auch... (10 und 11 bspw) ..

 

Ich denke wenn es reduziert wird, kurz und knackig ist, könnte man hoffentlich eine kleine Geschichte erzählen..

 

Ich bin natürlich kein Reportagefotograf - ist ehrlich gesagt überhaupt nicht mein Feld - deshalb mag es sein, dass da einiges in meiner Kritik danebenliegt. 

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mhm... überzeugt mich auch nicht so zu 100% - zu nächst sind es mir zu viele Bilder um das einzelne auf mich wirken lassen zu können, die vielen ähnlicihen Bildinformationen verwässern meiner Meinung nach die konkrete Aussage der einzelnen Bilder. Vielleicht kann man das als einen gewissen visuellen Abstumpfungsprozess beim Durchscrollen bezeichnen...

 

Zum Theme Reportagefotografie: Eine Bildreportage ist mMn. dann gut, wenn sie ohne erklärende Worte auskommt und die Geschehnisse erfasst und in einen Kontext stellt. In diesem Zusammenhang funktioniert das für mich nicht so ganz. Der Betrachter, der nicht vor Ort mit dabei war, kann mit dem Gezeigten nicht direkt einen Kontext zu den im Text genannten Punkten herstellen. So bleibt die visuelle Information: Ein Raum voll Junger Menchen in Afrika. Aber was dort passiert kann man nicht direkt nachvollziehen, könnten auch erschöpfte Spieler nach einem Fußballturnier sein oder so.

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Also zuerst mal Respekt, dass du deine Hemmungen überwunden hast. Ich glaube ich könnte das nicht. Aber falls du auf dem Reportage Feld weiter machen willst, dann solltest du dir schnell eine emotionale Mauer zulegen, die dich auf Distanz hält zu dem Leid das dich da umgibt, sonst wirst du da keine Freude haben.

 

Zu den Bildern:

Wenn diese Reportage ein Theaterstück wäre, dann wäre sie ein Kammerspiel. Ein Ort, wenige Akteure und ein intimer Rahmen. Aber trotz der räumlichen Nähe, kommst du den Menschen da nicht so richtig nahe. Bis auf die 13 zieht mich da keins in seinen Bann oder transportiert wirklich ein Gefühl. Die 13 hat deutlich mehr Tiefe als die anderen...sowohl fotografisch als auch emotional...

 

Würdest du Rolf Nobel von der Uni Hannover die Bilder zeigen würde er sie wahrscheinlich in die Tonne treten und als (um es mit seinen Worten zu sagen) "Bimbo-Fotos" abtun. Letztlich bedienen die Bilder nur das Klischee, dass wir in unserer elenden Wohlstandsgesellschaft von Afrika haben und befriedigen die Sensationslust, sodass man sich wieder ein bisschen aufregen kann über das was in andern Ländern alles falsch läuft.

 

Naja... wie den andern fehlt mir auch ein bisschen Geschichte und eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema als "einfach" nur drauf zu halten. 

 

PS: Ich glaube in S/W würden sie auch deutlich eindringlicher wirken.

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  • 1 month later...

Danke für eure Kommentare. Ich hab sie jetzt ein paar Wochen auf mich wirken lassen und verstehe eure Ansätze. Es gibt noch andere Serien zu meiner Reise, die komplexer sind und vieles im Zusammenhang zeigen. Dies ist mir -hier- an dem Tag einfach nicht gelungen. Ich bin rein, war für 2 Stunden in diesem Raum und dann ging es wieder raus. Wir sollten das sehen und mehr nicht.

 

Es war für mich als Mensch eine wichtige Erfahrung, vielleicht nicht so sehr als "Fotograf".

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